Gut gemeint – aber völlig falsch?

Hallo Leute,
eine Sache die mich ständig beschäftigt ist, was man tun soll, wenn man einen Obdachlosen auf der Straße sieht. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass es in Aachen sogar verdammt viele gibt, rein subjektiv sogar mehr als in Krefeld – bei ähnlich hohen Einwohnerzahlen. Ob das jetzt an der Infrastruktur der Stadt liegt möchte ich eigentlich nicht beurteilen, aber mich würde es wundern wenn es in einer Studentenstadt mehr zu holen gibt als z.B. in Düsseldorf oder Köln.

Als Student ist man bekanntlich in der Regel nicht mit “zu viel” Geld gesegnet, in unserer Gesellschaft wäre es also vermutlich gar nicht so verpönt als Student – im Gegensatz zu einem porschefahrenden Anzugträger – eine Bitte um Almosen zurückzuweisen. Dennoch kann ich es zum Beispiel nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, an einem sehr warmen Tag auf dem Weg zum Bahnhof um in Köln ein neues Instrument zu kaufen (was ich am Ende doch nicht getan habe) eine teure Sonnenbrille (unterer dreistelliger Bereich, ist halt mit Sehstärke) zu tragen und dann einen Obdachlosen einfach stehen zu lassen, der mich um 50ct gebeten hat. An diesem Tag war es sehr heiß und zusätzlich zu den Mahlzeiten, die er täglich auch einnehmen muss, müssen irgendwo ja noch zusätzliche 2-3 Liter Trinkwasser für ihn da sein. Seiner Bitte bin ich auch gerne nachgekommen. Sich nur darauf zu berufen, dass man Student sei und deswegen nicht Spenden kann ist mir da etwas zu einfach.

Eigentlich bin ich auch kein Fan davon jemandem Geld zu schenken, nichts anderes ist eine solche Spende ja. Wo ich mich wesentlich besser fühle ist, wenn ich jemandem direkt etwas zu essen oder trinken geben kann, wie zum Beispiel die letzten 2 Stücke der Pizza, die man sich gekauft hat.
Eine sehr künstlerische, aber umso schönere Variante habe ich zuletzt auf YouTube gefunden. Dort haben drei Studenten vom Verein be Japy e.V. neben diversen Obdachlosen Musik gemacht und die Spenden hinterher an den betroffenen weitergegeben. Inszeniert findet man das in diesem herrlichen Video:

Ich möchte mich auch nicht heiliger machen als ich bin. Ohne jetzt mitgezählt zu haben bin ich wohl weit öfter schon schweigend an Bettlern vorbei gelaufen als ihnen eine Spende zu machen, aber wenn doch mal Kleingeld über ist gebe ich das christlich gerne auch ab.

Bis hierhin passt die Überschrift für diesen Blog-Eintrag wohl noch nicht wirklich, kontrovers wurde es für mich aber bei meinem letzten Besuch in meiner Stamm-Pommesbude in Aachen. Dort aß ich wie üblich eine “große Spezial” und unterhielt mich mit der Köchin über Wetter, Studenten oder Gott und die Welt. Ein mir schon bekannter Obdachloser kam herein, dem offenbar von einer anderen Person eine kleine Pommes finanziert wurde. Der Mann ist zwar etwas lästig, so wie ich ihn kenne, aber schon mit dem Herz am rechten Fleck. Ein wenig später kam ein weiterer Vagabund in den Imbiss, diesmal offensichtlich ausländischer Herkunft, der nach einer Flasche Wasser für umsonst fragte, aber zurückgewiesen wurde, weil der Köchin der Laden nicht gehört und sie somit keine Geschenke machen könne.
Als er dann mich um eine Spende bat habe ich mehr oder weniger sofort zum Portmonee gegriffen und wollte ihm die Flasche Wasser für 1.50€ finanzieren, nachdem er diese dann bekommen hatte (ich hätte wohl lieber einfach die Flasche selbst kaufen sollen) fragte er weiter nach 3€, was ich dann schon etwas merkwürdig fand, weil er vor 20 Sekunden noch nur ein Wasser haben wollte. Nach ein bisschen quängeln habe ich ihm dann einfach noch die anderen 1.50€ gegeben, insgesamt also 3€, was für mich ein relativ hoher Betrag für eine Spende schon ist. Danach verließ der Mann die Pommesbude.

Zwei andere Studenten sagten mir als ich etwas verdutzt da stand dann: “Dir ist aber bewusst, dass es nicht bei ihm bleibt – der muss alles abgeben.” und “Warum unterstützt du sowas?”. Erst war mir nicht ganz klar, was die beiden meinten, erst mal bin ich davon ausgegangen etwas gutes getan zu haben, auch wenn ich mir etwas verarscht vorkam von dem Bettler, dem ich die 3€ gab. Mir war die Tatsache zwar bekannt, dass aus diversen osteuropäischen Ländern Menschen geschickt werden, die dann das Geld bei irgendjemand besser situiertem aus der selben Region abgeben müssen, damit zum Beispiel der Familie “nichts passiert”, aber daran habe ich während meiner Spende zugegeben nicht gedacht. Ich hoffe sehr, dass das Geld oder zumindest ein Teil bei dem Mann jetzt übrig bleibt.

Was heutzutage gerne dann aufkommt sind Diskussionen über Zigeuner, Rumänen usw. “denen es hier zu gut geht”, “die nicht arbeiten gehen” und “eine Plage sind”; an solchen Debatten beteilige ich mich in aller Regel nicht, da ich mir meine Diskussionspartner und -themen lieber selber aussuche, nur soviel: Wenn ich jemandem durch Almosen eine Freude mache, dann selektiere ich das gewiss nicht nach Nationalität, das wird auch nach diesem für mich enttäuschenden Vorfall (ich befürchte, dass der Student Recht hat, dass der Mann das Geld nicht behalten wird) so bleiben. Da bin ich einfach fest der Meinung, dass wenn ich anfange aus der Nationalität ein Recht auf Spenden abzuleiten, dann ist das schon ein falscher Schritt in Richtung “Gleichheit vor dem Gesetz abschaffen” und an diesen Punkt werden wir in diesem Land hoffentlich niemals mehr kommen.

Aufgrund dieses Vorfalls hadere ich etwas an mir, ich habe die Spende gut gemeint, aber im Nachhinein würde ich sie auch als etwas fahrlässig und naiv einstufen, wie sich aus dem Vorfall beim Durchlesen ziemlich gut ergibt. Mich würde es sehr freuen, wenn ihr mir hier per Kommentar oder per Twitter, Facebook, Google+ Rückmeldung gibt wie ihr den Fall einschätzt und ob ihr ähnliche Vorfälle auch schon hattet.

Zuletzt möchte ich noch betonen, dass die beiden Studenten mit Sicherheit kein rechts-populistisches Gespann war geschweige denn rechts-extrem, der Mann zumindest kam sogar selber nicht aus Deutschland.

Besten Gruß,
Niklas

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